Lexikon · Gastronomie · 43 Begriffe

Kennzahlen in der Gastronomie: die Größen, mit denen ein Betrieb geführt wird

Kennzahlen in der Gastronomie sind die Größen, an denen sich ein Betrieb steuern lässt, bevor die BWA es zu spät zeigt: Wareneinsatz, Personalkosten, Deckungsbeitrag, Durchschnittsbon, Auslastung und Gewinnmarge. Für die Führung eines inhabergeführten Betriebs reichen in der Praxis acht bis zwölf Kennzahlen, die monatlich gerechnet werden — der Rest ist Nachschlagewerk. Diese Seite führt jede Kennzahl mit Definition, Formel und dem Richtwert, den wir in der Beratungspraxis ansetzen; die Einzelseiten tragen Rechner, Tabellen und die Fragen, die im Betrieb dazu gestellt werden.

Kalkulation und Ertrag

WareneinsatzWas die Ware vom Umsatz frisst — und ab welcher Quote es eng wird. · mit Rechner

Der Wareneinsatz ist der Wert aller Waren, die in einem Zeitraum tatsächlich verbraucht wurden. Als Quote vom Nettoumsatz zeigt er, wie viel jeder verkaufte Euro an Ware kostet.

Wareneinsatz = Anfangsbestand + Einkäufe − Endbestand
Wareneinsatzquote % = Wareneinsatz ÷ Nettoumsatz × 100

DeckungsbeitragWas ein Gericht nach Wareneinsatz wirklich beiträgt — in Euro, nicht in Prozent. · mit Rechner

Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, der nach Abzug des Wareneinsatzes vom Verkaufspreis übrig bleibt und alle übrigen Kosten decken muss.

Deckungsbeitrag € = Nettoverkaufspreis − Wareneinsatz
Deckungsbeitrag % = Deckungsbeitrag € ÷ Nettoverkaufspreis × 100

KalkulationsfaktorDer Multiplikator vom Einkauf zum Verkaufspreis — und wo er versagt. · mit Rechner

Der Kalkulationsfaktor ist die Zahl, mit der der Wareneinsatz multipliziert wird, um zum Nettoverkaufspreis zu kommen.

Nettoverkaufspreis = Wareneinsatz × Kalkulationsfaktor
Kalkulationsfaktor = Nettoverkaufspreis ÷ Wareneinsatz

DurchschnittsbonDer Wert je Gast — und warum er schneller wirkt als Rabatte. · mit Rechner

Der Durchschnittsbon ist der Nettoumsatz geteilt durch die Anzahl der Gäste oder Rechnungen und zeigt, was ein Besuch im Schnitt einbringt.

Durchschnittsbon € = Nettoumsatz ÷ Anzahl Gäste (oder Rechnungen)

Prime CostWare und Personal als eine Zahl. Die ehrlichste Kennzahl im Betrieb. · mit Rechner

Die Prime Cost ist die Summe aus Wareneinsatz und Personalkosten in Prozent vom Nettoumsatz — die beiden größten steuerbaren Kostenblöcke zusammen.

Prime Cost % = (Wareneinsatz + Personalkosten) ÷ Nettoumsatz × 100

Menu EngineeringWelches Gericht trägt, welches nur Platz auf der Karte belegt.

Menu Engineering ordnet jedes Gericht nach Deckungsbeitrag und Verkaufshäufigkeit ein und leitet daraus ab, was mit ihm zu geschehen hat.

Break-even-UmsatzAb welchem Umsatz der Betrieb trägt — und wie viele Gäste das sind. · mit Rechner

Der Break-even-Umsatz ist der Umsatz, ab dem ein Betrieb seine Fixkosten deckt und weder Gewinn noch Verlust macht.

Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote
Gäste pro Tag = Break-even-Umsatz ÷ Öffnungstage ÷ Durchschnittsbon

UmsatzrenditeWas von jedem Euro am Ende wirklich bleibt. · mit Rechner

Die Umsatzrendite ist der Gewinn in Prozent vom Nettoumsatz und zeigt, was von jedem verkauften Euro übrig bleibt.

Umsatzrendite % = Gewinn vor Steuern ÷ Nettoumsatz × 100

GewinnmargeAuf welcher der drei Stufen der Ertrag verloren geht. · mit Rechner

Die Gewinnmarge ist der Anteil des Gewinns am Nettoumsatz, gemessen auf drei Stufen: Rohertrag, Betriebsergebnis und Jahresüberschuss.

Rohertragsmarge % = (Nettoumsatz − Wareneinsatz) ÷ Nettoumsatz × 100
Betriebsergebnis-Marge % = Betriebsergebnis ÷ Nettoumsatz × 100

RohertragWas nach der Ware übrig bleibt, für alles andere. · mit Rechner

Der Rohertrag ist der Nettoumsatz abzüglich des Wareneinsatzes und damit der Betrag, der alle übrigen Kosten des Betriebs tragen muss.

Rohertrag € = Nettoumsatz − Wareneinsatz
Rohertragsquote % = Rohertrag ÷ Nettoumsatz × 100

EBITDADie Zahl, über die Bank und Käufer sprechen. · mit Rechner

Das EBITDA ist das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und zeigt die operative Ertragskraft unabhängig von Finanzierung und Investitionsalter.

EBITDA € = Betriebsergebnis + Abschreibungen + Zinsaufwand
EBITDA-Marge % = EBITDA ÷ Nettoumsatz × 100

MischkalkulationWarum die Zielquote der Karte gilt, nicht dem Teller. · mit Rechner

Die Mischkalkulation setzt die Zielvorgabe für den Wareneinsatz auf die gesamte Karte statt auf den einzelnen Artikel.

Gesamt-Wareneinsatzquote % = (Wareneinsatz Speisen + Wareneinsatz Getränke) ÷ Nettoumsatz gesamt × 100

InventurdifferenzDie Lücke zwischen gerechnetem und gezähltem Bestand. · mit Rechner

Die Inventurdifferenz ist die Abweichung zwischen rechnerischem Sollbestand und gezähltem Istbestand, gemessen am Wareneinsatz der Periode.

Inventurdifferenz % = (Sollbestand − Istbestand) ÷ Wareneinsatz der Periode × 100

SpeiseabfallquoteWas zwischen Produktion und Teller verloren geht. · mit Rechner

Die Speiseabfallquote ist der Anteil der weggeworfenen Speisen an der produzierten Menge, gemessen in Kilogramm oder im Wert am Wareneinsatz.

Speiseabfallquote % = Abfallwert € ÷ Wareneinsatz € × 100
alternativ: Abfallmenge kg ÷ produzierte Menge kg × 100

ZusatzverkaufsquoteDer Anteil der Bons, auf denen mehr steht als der Hauptgang. · mit Rechner

Die Zusatzverkaufsquote ist der Anteil der Bons mit mindestens einem Zusatzartikel an allen Bons einer Periode.

Zusatzverkaufsquote % = Bons mit Zusatzartikel ÷ Bons gesamt × 100

PachtquoteWas der Standort vom Umsatz beansprucht. · mit Rechner

Die Pachtquote ist der Anteil von Miete oder Pacht samt Nebenkosten am Nettoumsatz eines Betriebs.

Pachtquote % = (Pacht netto + Nebenkosten) ÷ Nettoumsatz × 100

EnergiekostenquoteWas Küche und Haus vom Umsatz verbrauchen. · mit Rechner

Die Energiekostenquote ist der Anteil der Kosten für Strom, Gas und Wärme am Nettoumsatz eines Betriebs.

Energiekostenquote % = (Strom + Gas + Wärme) ÷ Nettoumsatz × 100

Betrieb und Personal

SchankverlustWas zwischen Fass und Kasse verloren geht. · mit Rechner

Der Schankverlust ist die Differenz zwischen eingekaufter und verkaufter Getränkemenge, ausgedrückt in Prozent.

Schankverlust % = (Einkaufsmenge − Verkaufsmenge) ÷ Einkaufsmenge × 100

PersonalkostenquoteWas das Team vom Umsatz beansprucht — inklusive der Kosten, die oft fehlen. · mit Rechner

Die Personalkostenquote ist der Anteil aller Personalkosten inklusive Nebenkosten am Nettoumsatz.

Personalkostenquote % = Personalkosten inkl. Nebenkosten ÷ Nettoumsatz × 100

TischumschlagWie oft ein Platz pro Service belegt wird. · mit Rechner

Der Tischumschlag gibt an, wie oft ein Sitzplatz während eines Service neu belegt wird.

Tischumschlag = Gäste je Service ÷ Sitzplätze
Umsatz = Sitzplätze × Tischumschlag × Durchschnittsbon × Öffnungstage

Umsatz je MitarbeiterstundeWas eine Arbeitsstunde im Betrieb an Umsatz trägt. · mit Rechner

Der Umsatz pro Mitarbeiterstunde ist der Nettoumsatz einer Periode geteilt durch alle im selben Zeitraum geleisteten Arbeitsstunden.

Umsatz je Mitarbeiterstunde € = Nettoumsatz ÷ geleistete Arbeitsstunden
Benötigte Stunden = Prognoseumsatz ÷ Zielwert je Stunde

PersonalbedarfsplanungWie viele Stunden der erwartete Umsatz wirklich braucht.

Die Personalbedarfsplanung leitet aus dem erwarteten Umsatz ab, wie viele Arbeitsstunden und wie viele Vollzeitstellen ein Betrieb braucht.

Benötigte Stunden = Prognoseumsatz ÷ Zielumsatz je Mitarbeiterstunde
Vollzeitstellen = Jahresstunden ÷ 1.650

No-Show-QuoteWie viele reservierte Plätze leer bleiben. · mit Rechner

Die No-Show-Quote ist der Anteil der Reservierungen, zu denen die Gäste ohne Absage nicht erscheinen.

No-Show-Quote % = nicht erschienene Reservierungen ÷ Reservierungen gesamt × 100

FluktuationsquoteWas der Personalwechsel den Betrieb im Jahr kostet. · mit Rechner

Die Fluktuationsquote ist der Anteil der Abgänge eines Jahres am durchschnittlichen Mitarbeiterbestand desselben Zeitraums.

Fluktuationsquote % = Abgänge im Jahr ÷ durchschnittlicher Mitarbeiterbestand × 100
Wechselkosten = Abgänge × Wiederbesetzungskosten je Stelle

Recht und Pflicht

HACCPWas dokumentiert werden muss, und wo Kontrollen scheitern.

HACCP ist ein Eigenkontrollsystem zur Lebensmittelsicherheit, das jeder Betrieb führen muss, der Lebensmittel behandelt.

GaststättenerlaubnisAblauf, Fristen und die Stelle, an der es fast immer hängt.

Die Gaststättenerlaubnis ist die behördliche Genehmigung, alkoholische Getränke zum Verzehr an Ort und Stelle auszuschenken.

PachtvertragDie Klauseln, die später teuer werden.

Der Gastronomiepachtvertrag überlässt Räume samt Inventar und dem Recht, damit Erträge zu erwirtschaften — anders als ein reiner Mietvertrag.

AllergenkennzeichnungDie 14 Allergene und wie sie auf die Karte kommen.

Lose abgegebene Speisen müssen über 14 kennzeichnungspflichtige Allergene informieren — schriftlich oder mündlich mit schriftlichem Hinweis.

TrinkgeldWas bei Kartenzahlung gilt — und was oft falsch gebucht wird.

Freiwilliges Trinkgeld an Beschäftigte ist steuerfrei; sobald der Betrieb es vereinnahmt und verteilt, ändert sich die Beurteilung.

KassensicherungsverordnungWas die Kasse können muss und was gemeldet wird.

Die Kassensicherungsverordnung verpflichtet jeden Betrieb mit elektronischer Kasse, seine Aufzeichnungen mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung zu schützen.

MindestlohnAufzeichnungspflicht und die wahren Kosten einer Stunde. · mit Rechner

Der Mindestlohn ist die gesetzliche Lohnuntergrenze je Zeitstunde und gilt im Gastgewerbe ohne Branchenausnahme für jedes Arbeitsverhältnis.

Arbeitgeberbelastung % = (Grundlohn + Arbeitgeberanteile + Umlagen) ÷ Grundlohn × 100

UmsatzsteuerWo die Grenze verläuft und was der Mischbon auslöst.

Die Umsatzsteuer in der Gastronomie liegt seit dem 01.01.2026 für Speisen dauerhaft bei 7 Prozent, während Getränke grundsätzlich dem Regelsatz von 19 Prozent unterliegen.

SperrzeitWer die Uhrzeit festlegt und wie Ausnahmen laufen.

Die Sperrzeit ist der Zeitraum, in dem eine Gaststätte für den Publikumsverkehr geschlossen bleiben muss; sie ist Landesrecht und je Bundesland verschieden geregelt.

InfektionsschutzbelehrungFristen, Zuständigkeit und die Lücke in der Akte.

Die Infektionsschutzbelehrung ist der Nachweis nach § 43 IfSG, den jede Person mit Kontakt zu offenen Lebensmitteln vor Aufnahme der Tätigkeit braucht.

GEMA-VergütungWonach der Tarif bemessen wird und wann angemeldet wird. · mit Rechner

Die GEMA-Vergütung ist das Entgelt für die öffentliche Wiedergabe von Musik im Betrieb und richtet sich nach beschallter Fläche, Art der Wiedergabe und Nutzungsdauer.

Abweichung % = (beschallte Fläche innen + außen − gemeldete Fläche) ÷ gemeldete Fläche × 100

Fläche und Kapazität

Umsatz je SitzplatzWas ein Platz im Jahr erwirtschaftet. · mit Rechner

Der Umsatz pro Sitzplatz ist der Jahres-Nettoumsatz eines Betriebs geteilt durch die Zahl seiner Sitzplätze.

Umsatz je Sitzplatz € = Jahres-Nettoumsatz ÷ Sitzplätze
Kapazitätsmodell = Sitzplätze × Tischumschlag × Durchschnittsbon × Öffnungstage

AuslastungWie voll der Gastraum je Service tatsächlich ist. · mit Rechner

Die Auslastung im Restaurant ist der Anteil der belegten Sitzplätze an den verfügbaren Plätzen eines Service.

Auslastung % = belegte Plätze ÷ verfügbare Plätze × 100
Tagesauslastung = Gäste ÷ (Plätze × Umschlagsziel) × 100

RevPASHWas eine Sitzplatzstunde an Umsatz bringt.

RevPASH ist der Nettoumsatz einer Periode geteilt durch die verfügbaren Sitzplatzstunden, also Sitzplätze mal Öffnungsstunden.

RevPASH € = Nettoumsatz der Periode ÷ (Sitzplätze × Öffnungsstunden)
gleichwertig: Durchschnittsbon × Tischumschlag je Stunde

Fläche je SitzplatzWie viele Plätze eine Gastfläche trägt.

Die Fläche pro Sitzplatz gibt an, wie viele Quadratmeter Gastfläche ein einzelner Sitzplatz im Betrieb beansprucht.

Mögliche Sitzplätze = Gastfläche in m² ÷ Flächenbedarf je Platz
Fläche je Sitzplatz in m² = Gastfläche ÷ Sitzplätze

Gründung und Finanzierung

LiquiditätsplanungWie lange das Geld auf dem Konto reicht. · mit Rechner

Die Liquiditätsplanung stellt Einzahlungen und Auszahlungen je Woche gegenüber und zeigt, wie lange die vorhandenen Mittel reichen.

Endbestand der Woche = Anfangsbestand + Einzahlungen − Auszahlungen
Reichweite = verfügbare Mittel ÷ durchschnittliche Wochenauszahlungen

KapitaldienstfähigkeitOb der Betrieb Zins und Tilgung wirklich trägt. · mit Rechner

Die Kapitaldienstfähigkeit zeigt, ob ein Betrieb Zins und Tilgung aus dem laufenden Ertrag tragen kann.

Kapitaldienstgrenze = EBITDA − Ertragsteuern − Unternehmerlohn − Ersatzinvestitionen
Freier Puffer = Kapitaldienstgrenze − Zins und Tilgung

UnternehmensbewertungWoran der Preis hängt und was den Faktor drückt. · mit Rechner

Die Unternehmensbewertung in der Gastronomie ermittelt, welchen Preis ein Betrieb im Verkauf trägt — aus nachhaltigem Ertrag, Substanz und der Sicherheit des Pachtvertrags.

Ertragswert = nachhaltiges EBITDA × Faktor
Substanzwert = Zeitwert Inventar + verwertbarer Warenbestand

AblöseWoraus sich ein tragfähiger Betrag zusammensetzt. · mit Rechner

Die Ablöse ist der Betrag, den ein Übernehmer dem Vorgänger für Inventar, Warenbestand und die Fortführungschance des Betriebs zahlt.

Tragfähige Ablöse = Zeitwert Inventar + verwertbarer Warenbestand + Ertragswertanteil