Lexikon · Gastronomie

Umsatz pro Mitarbeiterstunde: Formel und Richtwerte

Der Umsatz pro Mitarbeiterstunde ist der Nettoumsatz einer Periode geteilt durch alle geleisteten Arbeitsstunden — Küche, Service und Leitung zusammen, nicht nur die Stunden im Gastraum. Er misst die Produktivität und macht die Personalkostenquote erst erklärbar, weil er zeigt, ob ein hoher Personalanteil aus zu vielen Stunden oder aus zu wenig Umsatz entsteht. In der Vollgastronomie sind 45 bis 70 Euro je Stunde eine übliche Betriebsvergleichs-Größenordnung.

Die Formel

Umsatz je Mitarbeiterstunde € = Nettoumsatz ÷ geleistete Arbeitsstunden
Benötigte Stunden = Prognoseumsatz ÷ Zielwert je Stunde

Ihr Umsatz je Mitarbeiterstunde

Monatswerte eintragen — alle geleisteten Stunden, auch Küche und Leitung.

52,63 €Umsatz je Stunde

Einordnung: ab 55 Euro je Stunde tragfähig · 40 bis 55 Euro beobachten · darunter wird die Personalkostenquote schwer zu halten. Das Beispiel rechnet 100.000 Euro Nettoumsatz auf 1.900 geleistete Stunden — das sind rund 53 Euro je Stunde.

Unsere Erfahrung aus der Praxis

Wir rechnen diese Zahl in Betrieben meistens zuerst je Wochentag, nicht je Monat. Der Monatswert ist fast immer unauffällig, und genau deshalb ist er wertlos: Die Stunden, die nichts erwirtschaften, liegen gebündelt an zwei oder drei Tagen und in den ersten Stunden nach dem Aufsperren. Wenn dann jemand sagt, man könne nicht weniger Personal einsetzen, stimmt das für den Samstag und selten für den Dienstagmittag. Die Reihenfolge, in der wir prüfen, ist immer dieselbe: erst die Verteilung über die Woche, dann die Schichtlänge, dann die Besetzungsstärke.

Dominik PuschTasteWorks · Betriebs- und Markenarchitektur

Richtwerte nach Betriebsart

Betriebsart Umsatz je Mitarbeiterstunde Grund
Systemgastronomie / Quick Service 60–90 € standardisierte Abläufe, wenig Handarbeit
Vollgastronomie à la carte 45–70 € Produktion und Betreuung im Haus
Fine Dining 35–55 € hohe Betreuungsdichte, trägt über den Bon
Bar, getränkelastig 60–95 € kaum Produktionsaufwand je Verkauf

Betriebsvergleichs-Größenordnungen, ergänzt um Praxiswerte aus unseren Projekten; sie verschieben sich mit Vorfertigungsgrad und Öffnungszeiten.

Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu Umsatz je Mitarbeiterstunde

Welche Stunden gehören in die Rechnung?

Alle bezahlten und tatsächlich geleisteten Stunden des Betriebs: Service, Küche, Spülkraft, Aushilfen, Reinigung im eigenen Personal und die Leitung. Wer nur den Service rechnet, erhält einen Umsatz pro Mitarbeiterstunde, der fast doppelt so hoch aussieht wie er ist, und vergleicht sich anschließend mit fremden Zahlen, die anders gebildet wurden. Nicht hinein gehören Urlaubs- und Krankheitsstunden, weil in ihnen kein Umsatz entstehen konnte — sie stecken bereits in den Personalkosten und würden die Produktivität ein zweites Mal belasten.

Ab welchem Wert wird es eng?

Unterhalb von rund 40 Euro Umsatz pro Mitarbeiterstunde trägt ein Vollgastronomiebetrieb seine Personalkostenquote in der Regel nicht mehr: Bei durchschnittlichen Personalkosten von etwa 14 bis 18 Euro je Stunde inklusive Nebenkosten liegt die Quote dann rechnerisch über 35 Prozent, bevor auch nur eine Aushilfe zusätzlich geplant ist. Zwischen 40 und 55 Euro entscheidet der Dienstplan über die Zahl. Wichtiger als der Monatswert ist die Verteilung: Ein Betrieb kann im Schnitt tragfähig liegen und trotzdem an drei Wochentagen unter 30 Euro arbeiten.

Warum genügt die Personalkostenquote allein nicht?

Weil die Quote von zwei Seiten bewegt wird. Ein guter Monat senkt sie, ohne dass im Team etwas besser geworden wäre; ein schwacher Monat hebt sie, obwohl derselbe Plan gefahren wurde. Der Umsatz pro Mitarbeiterstunde trennt das: Er hält die Stunden fest und zeigt, was sie erwirtschaftet haben. Erst im Zusammenspiel beider Zahlen lässt sich sagen, ob ein Betrieb zu viele Stunden verplant oder schlicht zu wenig Umsatz je Gast macht — und nur die erste Diagnose führt zum Dienstplan.

Gilt derselbe Zielwert für Systemgastronomie?

Nein. In der Systemgastronomie und im Quick Service liegen 60 bis 90 Euro je Mitarbeiterstunde im üblichen Rahmen, weil Vorfertigung und feste Abläufe Arbeitsschritte aus dem Betrieb herausgenommen haben. Ein Fine-Dining-Haus mit 40 Euro je Stunde ist deshalb nicht unproduktiv, sondern anders gebaut — dort trägt der Durchschnittsbon, was hier die Stundenleistung trägt. Vergleichbar wird der Wert erst innerhalb derselben Betriebsart und über die eigene Vormonatsreihe.

Wenn die Zahl nicht stimmt

Der Wert liegt im mittleren Bereich. Meist liegt der Hebel im Dienstplan der schwachen Tage, nicht in der Gesamtbesetzung.

Kennzahlen prüfen lassen →