Lexikon · Hotellerie

Zimmerdeckungsbeitrag: was je Zimmernacht bleibt

Der Zimmerdeckungsbeitrag ist der Nettozimmerpreis abzüglich der Vertriebskosten dieser Buchung und der variablen Zimmerkosten der Nacht. Er übersetzt die Debatte über Kanäle in Euro je verkaufter Nacht, statt sie in Prozentsätzen zu führen. Bei einem Nettozimmerpreis von 110 Euro kostet jeder zusätzliche Provisionspunkt rund 1,10 Euro Deckungsbeitrag — bei üblichen Portalsätzen von 15 bis 25 Prozent summiert sich das je Nacht spürbar.

Die Formel

Zimmerdeckungsbeitrag = Nettozimmerpreis − Vertriebskosten − variable Zimmerkosten

Ihr Deckungsbeitrag je Zimmernacht

Werte einer typischen Nacht netto eintragen, nicht Monatssummen.

73,00 €Deckungsbeitrag je Nacht
7,00 €Abstand zur 80-€-Marke

Einordnung: ab 80 Euro tragfähig für ein Mittelklassehaus · 65 bis 80 Euro beobachten · darunter prüfen. Mit den Startwerten: 110 Euro Zimmerpreis abzüglich 18 Euro Vertriebskosten und 19 Euro variabler Kosten ergeben 73,00 Euro Deckungsbeitrag.

Unsere Erfahrung aus der Praxis

Die Provisionsdiskussion verläuft in fast jedem Haus gleich, solange sie in Prozent geführt wird: Jeder hat eine Meinung, keiner eine Zahl. Wir rechnen deshalb zu Beginn eine einzige typische Nacht durch — ein Zimmer, ein Preis, drei Kanäle, Euro je Nacht. Diese eine Tabelle verändert das Gespräch nachhaltiger als jede Auswertung über zwölf Monate, weil sie am Empfang und in der Reservierung ohne Erklärung verstanden wird.

Der Zimmerdeckungsbeitrag zeigt, was eine Buchung nach den variablen Kosten wirklich bringt — und damit, welche Rate sich noch lohnt. Er ist der Ausgangspunkt für die Preis- und Belegungssteuerung.

Dominik PuschGastronomie-Experte mit über 25 Jahren Erfahrung

Deckungsbeitrag je Nacht nach Kanal

Kanal Vertriebskosten je Nacht Deckungsbeitrag bei 110 € netto
Direkt über Telefon und Rezeption 0–2 € 89–91 €
Eigene Buchungsstrecke mit Metasearch 5–12 € 79–86 €
Portalbuchung mit üblicher Provision 17–28 € 63–74 €
Vermittelte Gruppen- und Firmenbuchung 8–18 € 73–83 €

Modellrechnung auf Basis eines Nettozimmerpreises von 110 Euro und variabler Zimmerkosten von 19 Euro; Provisionsspanne als Praxisbeobachtung. Der eigene effektive Satz ist der Provisionsabrechnung zu entnehmen.

Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu Zimmerdeckungsbeitrag

Warum in Euro und nicht in Prozent rechnen?

Weil Prozentsätze im Haus unterschiedlich verstanden werden und Euro nicht. Ein Zimmerdeckungsbeitrag von 73 Euro gegenüber 89 Euro derselben Nacht ist eine Differenz, die jeder am Empfang und in der Reservierung nachvollzieht. Prozentwerte laden dagegen dazu ein, die Provision gegen einen erhofften Zusatzumsatz aufzurechnen, der selten belegt ist. In Euro gerechnet steht der Preis des Kanals unmittelbar neben dem Ertrag der Nacht.

Bedeutet ein niedriger Deckungsbeitrag, dass die Buchung abzulehnen ist?

Nein, solange sie positiv ist und das Zimmer sonst leer bliebe. Ein Zimmer, das nicht verkauft wird, bringt null Deckungsbeitrag, keine Ersparnis und keine Nebenumsätze. Problematisch wird es erst, wenn der teure Kanal Buchungen abgreift, die auch direkt gekommen wären, oder wenn er zum Hauptkanal wird und die Basisrate bestimmt. Die Entscheidung hängt deshalb an der Nachfragelage des einzelnen Tages, nicht an einer generellen Kanalregel.

Ab welchem Wert wird der Deckungsbeitrag kritisch?

Wenn er die anteiligen Fixkosten je verfügbarem Zimmer nicht mehr trägt. Ein Mittelklassehaus braucht über den Monat gerechnet einen Deckungsbeitrag, aus dem Verwaltung, Pacht, Energie im Gemeinbereich und Rücklage bezahlt werden. Fällt der Durchschnitt unter etwa 65 Euro je Nacht, während die Belegung stabil bleibt, verkauft das Haus Auslastung statt Ertrag. Die Prüfung beginnt beim Kanalmix und erst danach beim Preis.

Wie wird der Nebenumsatz berücksichtigt?

Nur mit seinem eigenen Deckungsbeitrag und nur, wenn er belegt ist. Ein Frühstück zu 22 Euro ist kein Zusatzertrag von 22 Euro, sondern abzüglich Wareneinsatz und Personal deutlich weniger. Wer den vollen Nebenumsatz gegen die Provision rechnet, redet sich teure Kanäle schön. Sauber ist es, den Zimmerdeckungsbeitrag getrennt zu führen und den Nebenumsatz als eigene Größe je Übernachtung daneben zu stellen.

Wenn die Zahl nicht stimmt

Der Deckungsbeitrag ist ausbaufähig. Meist liegt der Hebel im Anteil teurer Kanäle, nicht im Listenpreis.

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