Lexikon · Hotellerie
RevPAR-Index: der eigene Anteil im Wettbewerbsset
Der RevPAR-Index setzt den eigenen RevPAR ins Verhältnis zum durchschnittlichen RevPAR eines vorab definierten Wettbewerbssets. Er beantwortet die Frage, ob ein Haus mehr oder weniger als seinen rechnerischen Anteil am Markt holt. Der Bezugspunkt ist der Fair Share von 100 Punkten: genau der Anteil, der dem Haus nach Zimmerzahl im Set zusteht. Werte darüber bedeuten Anteilsgewinn, Werte darunter Anteilsverlust.
Die Formel
RevPAR-Index = eigener RevPAR ÷ RevPAR des Wettbewerbssets × 100
Ihr RevPAR-Index
Beide Werte für denselben Zeitraum und dieselbe Zimmerbasis eintragen.
Der Wert ist in Indexpunkten zu lesen: 100 entspricht dem Fair Share. Einordnung: ab 105 Anteilsgewinn · 95 bis 105 im Marktmuster · darunter Anteilsverlust. Mit den Startwerten: 78 Euro eigener RevPAR bei 74 Euro im Set ergeben rund 105 Punkte.
Der RevPAR-Index ist die Kennzahl, mit der Häuser sich am liebsten beruhigen: Solange der Markt gemeinsam fällt, sieht der Index stabil aus, während real Ertrag verloren geht. Wir legen ihn deshalb nie allein vor, sondern immer neben die eigene Zeitreihe über zwölf Monate. Und wir prüfen zuerst die Zusammensetzung des Sets — in der Praxis ist ein unpassendes Set die häufigste Ursache für einen Indexwert, den im Haus niemand erklären kann.
Der RevPAR-Index sagt, ob ein Haus seinen Anteil am Markt hält — unabhängig davon, ob der Markt steigt oder fällt. Wer zurückfällt, findet die Ursachen an der Ertragsseite eines Hauses.
Einordnung der Indexwerte
| Indexbereich | Bedeutung | was die Zahl nicht sagt |
|---|---|---|
| unter 90 | deutlicher Anteilsverlust im Set | ob Preis oder Belegung die Ursache ist |
| 90–100 | unter dem Fair Share | ob das Set richtig gewählt wurde |
| 100–110 | im Marktmuster bis leichter Vorsprung | ob der Markt insgesamt schwach war |
| über 110 | stabiler Vorsprung im Set | ob der Vorsprung über Ertrag oder Volumen entsteht |
Einordnung aus der eigenen Beratungspraxis und aus der üblichen Lesart von Benchmarkkreisen. Belastbar erst ab einem Set von vier bis sieben vergleichbaren Häusern; kleinere Sets liefern Zufallswerte.
Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu RevPAR-Index
Was bedeutet Fair Share konkret?
Fair Share ist der Anteil am Geschäft des Sets, der einem Haus allein nach seiner Zimmerzahl zusteht. Stellt ein Haus ein Fünftel der Zimmer im Set, wäre ein Fünftel des Umsatzes der Fair Share und der RevPAR-Index läge bei 100. Alles darüber heißt, dass das Haus Geschäft aus dem Set zieht, alles darunter, dass es welches abgibt. Die Kennzahl ist damit relativ: Sie kann steigen, während der eigene RevPAR fällt, wenn der Markt stärker einbricht.
Wie groß muss das Wettbewerbsset mindestens sein?
In der Praxis sind vier bis sieben Häuser üblich. Unter vier Häusern bestimmt ein einzelner Betrieb mit einer Renovierung oder einem Sonderkontingent den Vergleichswert, und der Index misst dessen Ausnahmesituation statt der eigenen Leistung. Die Häuser müssen in Kategorie, Lage und Segment tatsächlich um dieselben Gäste konkurrieren — ein Set, das nur nach Sternen zusammengestellt wird, erzeugt eine Zahl ohne Aussage.
Welcher Indexwert markiert eine kritische Lage?
Unterhalb von 90 Punkten über mehrere Monate gibt das Haus dauerhaft Anteile ab, und zwar unabhängig davon, wie sich der Markt insgesamt entwickelt. Die Ursache liegt entweder im Preis oder in der Belegung, und beides erfordert gegensätzliche Maßnahmen. Deshalb wird der RevPAR-Index in der Praxis immer neben dem Preis- und dem Belegungsindex desselben Sets gelesen — erst dieses Trio zeigt, an welcher der beiden Stellschrauben es hängt.
Woher kommen die Vergleichswerte des Sets?
Entweder aus einem Benchmarkkreis, in dem die beteiligten Häuser ihre Zahlen an einen neutralen Dritten melden und nur aggregiert zurückerhalten, oder aus selbst gepflegten Marktdaten. Aggregation ist dabei nicht optional: Der wechselseitige Austausch aktueller Preis- und Umsatzdaten zwischen Wettbewerbern ist kartellrechtlich heikel und gehört vor jeder Vereinbarung geprüft. Ohne belastbaren Setwert bleibt der eigene Vorjahresvergleich die ehrlichere Größe.
Wenn die Zahl nicht stimmt
Der Wert liegt im Marktmuster. Lohnend ist zuerst die Prüfung des Sets, bevor Maßnahmen abgeleitet werden.

