Lexikon · Hotellerie

Bettenauslastung im Hotel: Formel und Abgrenzung

Die Bettenauslastung setzt die Übernachtungen ins Verhältnis zu den verfügbaren Bettennächten, also zur Bettenzahl mal Tage. Sie liegt systematisch unter der Zimmerauslastung, weil Doppelzimmer häufig einzeln belegt werden. Im Stadt- und Businesshotel sind 40 bis 55 Prozent ein üblicher Praxiswert, während dieselben Häuser bei der Zimmerauslastung deutlich höher liegen. Den Abstand beschreibt der Doppelbelegungsfaktor.

Die Formel

Bettenauslastung % = Übernachtungen ÷ (Betten × Tage) × 100
Doppelbelegungsfaktor = Übernachtungen ÷ verkaufte Zimmer

Ihre Bettenauslastung

Verfügbare Bettennächte = Bettenzahl × Tage im Zeitraum.

50,0 %Bettenauslastung

Einordnung als Orientierung: ab 55 Prozent gut · 45 bis 55 Prozent mittel · darunter schwach. Die Schwellen gelten für ganzjährig geöffnete Häuser; Saisonbetriebe sind so nicht zu bewerten. Mit den Startwerten: 1.860 Übernachtungen bei 3.720 verfügbaren Bettennächten ergeben 50,0 Prozent.

Unsere Erfahrung aus der Praxis

In Häusern, die wir sehen, wird die Bettenauslastung fast nie geführt — und genau deshalb fehlt im Frühstück und im Housekeeping die Planungsgrundlage. Wir bitten zuerst um den Doppelbelegungsfaktor je Wochentag, weil er in der Stadthotellerie zwischen Dienstag und Samstag um mehrere Zehntel springt. Wer danach plant, trifft Buffetmenge und Besetzung deutlich genauer als mit dem Monatsmittel, und das ohne zusätzliches System.

Die Bettenauslastung fällt regelmäßig schwächer aus als die Zimmerauslastung und erklärt Lücken, die sonst unsichtbar bleiben. Beide zusammen gehören in die Preis- und Belegungssteuerung.

Elisa RussonielloTasteWorks · Beratung und Konzeption

Richtwerte nach Segment

Segment Zimmerauslastung Bettenauslastung Doppelbelegung
Stadt- und Businesshotel 65–78 % 40–55 % 1,1–1,3
Ferienhotel 60–75 % 55–70 % 1,7–1,9
Tagungshotel 55–70 % 35–50 % 1,0–1,2
Familien- und Appartementhaus 55–70 % 55–75 % 2,0–2,8

Praxiswerte aus der eigenen Beratungspraxis. Nicht vergleichbar mit Jahreswerten der amtlichen Beherbergungsstatistik, die auch Kleinst- und Saisonbetriebe erfasst und deshalb deutlich niedriger ausfällt.

Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu Bettenauslastung

Worin unterscheidet sich die Bettenauslastung von der Zimmerauslastung?

Im Nenner. Die Zimmerauslastung rechnet mit verfügbaren Zimmern, die Bettenauslastung mit verfügbaren Bettennächten. Ein Haus mit 60 Doppelzimmern hat 60 verkaufbare Zimmer und 120 Betten; wird jedes Zimmer einzeln belegt, steht die Zimmerauslastung bei 100 und die Bettenauslastung bei 50 Prozent. Beide Zahlen sind richtig und beantworten verschiedene Fragen: die eine die Preisfrage, die andere die Frage nach Frühstück, Wäsche und Personalbedarf.

Wofür wird der Doppelbelegungsfaktor gebraucht?

Er übersetzt Zimmer in Personen und ist damit die Planungsgröße für alles, was pro Gast anfällt: Frühstücksmengen, Besetzung im Service, Verbrauchsgüter, Kurtaxe. Ein Faktor von 1,2 bedeutet, dass auf zehn verkaufte Zimmer zwölf Personen kommen. Wer mit einem pauschalen Faktor über das ganze Jahr plant, liegt an Wochenenden und in der Ferienzeit systematisch zu niedrig und unter der Woche zu hoch.

Wann wird eine niedrige Bettenauslastung zum Problem?

Nicht an einer festen Marke, sondern dann, wenn sie bei guter Zimmerauslastung dauerhaft unter dem Segmentwert liegt. Das heißt: Die Zimmer sind verkauft, aber überwiegend einzeln. Betroffen sind vor allem Häuser mit hohem Anteil an Geschäftsreisenden. Der Hebel liegt dann nicht in mehr Buchungen, sondern in der Zimmerkategorisierung und in der Frage, ob Einzelbelegung im Doppelzimmer angemessen bepreist ist.

Meint die Kennzahl dasselbe wie im Gesundheitswesen?

Nein. Die Bettenauslastung eines Krankenhauses misst Pflegetage gegen aufgestellte Betten und folgt einer anderen Systematik, anderen Meldepflichten und anderen Vergleichsgrößen. Wer Benchmarks aus dem Gesundheitswesen neben Hotelwerte legt, vergleicht zwei Kennzahlen mit gleichem Namen und unterschiedlicher Definition. Für die Beherbergung gilt allein die Rechnung Übernachtungen gegen verfügbare Bettennächte.

Wenn die Zahl nicht stimmt

Der Wert liegt im mittleren Bereich. Prüfenswert ist, ob die Einzelbelegung im Doppelzimmer preislich sauber abgebildet ist.

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