Lexikon · Hotellerie
Aufenthaltsdauer im Hotel: Formel und Richtwerte
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer, im Revenue Management auch ALOS genannt, ist die Zahl der Übernachtungen geteilt durch die Zahl der Ankünfte. Sie ist eine Kostenkennzahl: Jede zusätzliche Nacht desselben Gastes spart die Grundreinigung des Abreisezimmers und die Vertriebskosten einer zweiten Buchung. Im Stadt- und Businesshotel liegt sie als Praxiswert bei 1,5 bis 1,9 Nächten, in der Ferienhotellerie um ein Vielfaches höher.
Die Formel
Aufenthaltsdauer = Übernachtungen ÷ Ankünfte
Die Aufenthaltsdauer ist die Kennzahl, die in Häusern mit gutem Housekeeping als Erstes auffällt und trotzdem selten geführt wird. Wenn wir in ein Stadthotel kommen, in dem die Reinigungskosten je Übernachtung aus dem Rahmen fallen, liegt es fast nie an der Leistung der Abteilung, sondern am Anteil der Abreisezimmer. Wir legen deshalb Aufenthaltsdauer und Reinigungsminuten nebeneinander, bevor über Personalschlüssel gesprochen wird.
Eine längere Aufenthaltsdauer senkt die Kosten je belegtem Zimmer spürbar, weil An- und Abreise die teuersten Tage sind. Genau dort liegt ein Hebel für mehr Umsatz je Zimmer.
Richtwerte nach Segment
| Segment | Aufenthaltsdauer | Wirkung auf den Betrieb |
|---|---|---|
| Stadt- und Businesshotel | 1,5–1,9 Nächte | hoher Abreiseanteil, teures Housekeeping |
| Tagungshotel | 1,8–2,5 Nächte | Blockanreisen, planbare Spitzen |
| Ferienhotel Alpenraum und Küste | 3,0–5,0 Nächte | niedrige Rüstkosten je Übernachtung |
| Kur- und Gesundheitsbetrieb | 6–10 Nächte | geringster Vertriebsaufwand je Nacht |
Praxiswerte aus der eigenen Beratungspraxis, nicht deckungsgleich mit der amtlichen Beherbergungsstatistik, die andere Grundgesamtheiten erfasst. Die Werte gelten im Jahresmittel und verschieben sich saisonal erheblich.
Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu Aufenthaltsdauer
Wie sieht die Rechnung an einem konkreten Monat aus?
Ein Stadthotel zählt in einem Monat 1.240 Übernachtungen bei 700 Ankünften. Die Rechnung lautet 1.240 geteilt durch 700 und ergibt eine Aufenthaltsdauer von 1,77 Nächten. Wichtig ist der Nenner: gezählt werden Ankünfte, nicht Buchungen und nicht Zimmer. Eine Familie, die in zwei Zimmern anreist, erzeugt zwei Ankünfte. Wer stattdessen Buchungen einsetzt, erhält bei Gruppen und Mehrzimmerbuchungen einen deutlich zu hohen Wert.
Warum ist eine längere Aufenthaltsdauer betriebswirtschaftlich günstiger?
Weil die teuren Vorgänge an Anreise und Abreise hängen. Ein Abreisezimmer kostet in der Reinigung deutlich mehr Zeit als ein Bleibezimmer, dazu kommen Check-in, Check-out und die Vertriebskosten der Buchung. In der Praxis liegt der Unterschied je Zimmer im niedrigen zweistelligen Eurobereich, bevor die Provision der zweiten Buchung überhaupt berücksichtigt ist. Bei gleicher Bettenauslastung verdient das Haus mit längeren Aufenthalten mehr.
Ab welchem Wert wird eine kurze Aufenthaltsdauer zum Problem?
Wenn sie unter dem Segmentwert liegt und die Randtage regelmäßig offen bleiben. Ein Stadthotel bei 1,3 Nächten arbeitet mit einem Anreise- und Abreiseaufwand, den die Rate meist nicht trägt. Fällt der Wert über mehrere Monate, ist fast immer die Ratenstruktur der Grund: Einzelnächte sind zu leicht buchbar, während Verlängerungen keinen erkennbaren Vorteil bieten. Die Prüfung beginnt bei den Lückennächten zwischen zwei Buchungen.
Ist ein hoher Wert immer ein gutes Zeichen?
Nicht zwingend. Eine hohe Aufenthaltsdauer entsteht auch durch Langzeitgäste zu Sonderkonditionen oder durch Monteurgeschäft, das die Rate drückt und die Zimmer über Wochen bindet. Dann steigt die Kennzahl, während ADR und RevPAR fallen. Aussagekräftig wird die Aufenthaltsdauer erst getrennt nach Segment und zusammen mit dem erzielten Zimmerpreis desselben Segments.
Wenn die Zahl nicht stimmt
Wenn Aufenthaltsdauer und Reinigungsaufwand nicht zusammen betrachtet werden, fehlt die Gegenprobe. Wir sehen uns beides im Zusammenhang an.

