Lexikon · Gastronomie

Kapitaldienstfähigkeit in der Gastronomie berechnen

Die Kapitaldienstfähigkeit zeigt, ob ein Betrieb Zins und Tilgung aus dem laufenden Ertrag tragen kann. Gerechnet wird die Kapitaldienstgrenze: Betriebsergebnis vor Zinsen und Abschreibungen, abzüglich Ertragsteuern, kalkulatorischem Unternehmerlohn und Ersatzinvestitionen. Was danach bleibt, steht für den Kapitaldienst zur Verfügung; ein Puffer von 20 bis 30 Prozent über der Rate wird in der Praxis erwartet. Über die Finanzierung selbst entscheidet das Kreditinstitut.

Die Formel

Kapitaldienstgrenze = EBITDA − Ertragsteuern − Unternehmerlohn − Ersatzinvestitionen
Freier Puffer = Kapitaldienstgrenze − Zins und Tilgung

Ihr Puffer über dem Kapitaldienst

Jahreswerte eintragen — das EBITDA bereits nach Ertragsteuern.

13.000,00 €Freier Puffer im Jahr

Einordnung: ab 15.000 Euro freiem Puffer im Jahr tragfähig · 0 bis 15.000 Euro knapp · ein negativer Wert bedeutet, dass die Rate aus der Substanz bezahlt wird. Das Beispiel rechnet 145.000 Euro EBITDA abzüglich 60.000 Euro Unternehmerlohn, 24.000 Euro Ersatzinvestitionen und 48.000 Euro Kapitaldienst — es bleiben 13.000 Euro.

Unsere Erfahrung aus der Praxis

Wenn ein Betrieb uns eine Finanzierungsrechnung vorlegt, prüfen wir drei Positionen in fester Reihenfolge, und in aller Regel fehlt mindestens eine davon: der kalkulatorische Unternehmerlohn, die Ersatzinvestitionen und die Steuerlast. Mit allen dreien sieht die Kapitaldienstfähigkeit deutlich nüchterner aus als in der ersten Fassung — und genau diese nüchterne Fassung ist die, mit der man in ein Bankgespräch geht. Eine geschönte Rechnung fällt dort spätestens beim Nachfragen auf und kostet mehr Vertrauen, als der höhere Wert je eingebracht hätte.

Dominik PuschTasteWorks · Betriebs- und Markenarchitektur

Positionen der Kapitaldienstgrenze

Position Ansatz Anmerkung
EBITDA nach Ertragsteuern Ausgangsgröße Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen
Kalkulatorischer Unternehmerlohn 45.000–75.000 € / Jahr bei Inhaberführung zwingend abzuziehen
Ersatzinvestitionen 2–4 % vom Nettoumsatz Küchentechnik, Möbel, Kassensystem
Puffer über dem Kapitaldienst 20–30 % wird in der Praxis üblicherweise erwartet

Betriebsvergleichs-Größenordnungen und Praxiswerte aus unseren Projekten; die Anforderungen im Einzelfall setzt das finanzierende Institut.

Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu Kapitaldienstfähigkeit

Warum gehört der Unternehmerlohn zwingend abgezogen?

Weil die Arbeitsleistung des Inhabers sonst nichts kostet und die Kapitaldienstfähigkeit damit rechnerisch jeden Betrieb tragfähig erscheinen lässt. Bei inhabergeführten Betrieben wird der Lohn häufig als Privatentnahme behandelt und taucht in der Auswertung nicht auf. Sobald jemand anderes die Arbeit machen muss — bei Krankheit, bei Expansion, beim Verkauf — fällt die Lücke auf, und zwar in genau der Höhe, die zuvor als Ergebnis ausgewiesen wurde. Anzusetzen ist, was eine angestellte Betriebsleitung mit dieser Verantwortung kosten würde, nicht das, was der Inhaber tatsächlich entnimmt.

Wie hoch fällt der Ansatz für Ersatzinvestitionen aus?

In der Gastronomie werden 2 bis 4 Prozent vom Nettoumsatz je Jahr angesetzt — bei 800.000 Euro Umsatz also 16.000 bis 32.000 Euro. Der Betrag fällt nicht jährlich gleichmäßig an, sondern in Sprüngen: Kühltechnik, Spülmaschine, Möbel, Kassensystem, Außenbestuhlung. Genau deshalb gehört er in die Kapitaldienstfähigkeit hinein und nicht in die Hoffnung. Wer ihn weglässt, rechnet sich einen Puffer vor, der in dem Jahr verschwindet, in dem die erste größere Ersatzbeschaffung fällig wird — und das ist typischerweise das dritte oder vierte Jahr nach der Übernahme.

Wann ist die Kapitaldienstgrenze zu knapp?

Wenn der freie Puffer über dem Kapitaldienst unter etwa 20 Prozent der Jahresrate fällt, ist die Finanzierung nur noch bei planmäßigem Verlauf tragbar; schon ein schwacher Sommer oder eine größere Reparatur führt dann zu einer Lücke. Ist der Puffer negativ, wird die Rate aus der Substanz bezahlt — aus dem Kontostand, aus Lieferantenzielen oder aus unterlassenen Instandhaltungen. Beides sind rechnerische Feststellungen und keine Aussage darüber, ob ein Institut finanziert: Kreditentscheidungen treffen die Banken nach eigenen Maßstäben, zu denen Sicherheiten, Historie und Branchenbewertung gehören.

Wenn die Zahl nicht stimmt

Der Puffer ist knapp. Der erste Blick gehört den Ersatzinvestitionen und der Frage, ob der Unternehmerlohn realistisch angesetzt ist.

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