Lexikon · Gastronomie
Trinkgeld versteuern: Regeln für Bargeld und Karte
Freiwilliges Trinkgeld, das ein Gast einer beschäftigten Person zusätzlich gibt, ist nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei — ohne Betragsgrenze. Entscheidend ist, dass es freiwillig und an die Person geht. Anders liegt der Fall, wenn der Betrieb es vereinnahmt und verteilt oder wenn es dem Inhaber selbst zufällt; dann greift die Steuerfreiheit nicht.
Seit die meisten Gäste mit Karte zahlen, ist Trinkgeld von einem Nebenthema zu einem Buchhaltungsthema geworden. Wir sehen regelmäßig, dass es als Umsatz gebucht wird — das erhöht nicht nur die Steuerlast, sondern verfälscht auch jede Kennzahl, die auf dem Umsatz aufsetzt. Wer Durchschnittsbon oder Wareneinsatzquote führt, sollte diese Buchung als Erstes prüfen.
Wie die Fälle auseinandergehen
| Fall | Beurteilung |
|---|---|
| Bargeld direkt an die Bedienung | steuerfrei |
| Trinkgeld an den Inhaber selbst | Betriebseinnahme, steuerpflichtig |
| Karte, Weiterleitung an die Person | steuerfrei — Nachweis erforderlich |
| Karte, Betrieb verteilt nach Schlüssel | kritisch, Einzelfallbeurteilung |
| Bedienungsgeld / Servicepauschale | Entgelt, umsatzsteuerpflichtig |
Praxisübersicht, keine Steuerberatung. Bei Kartenzahlung und Poolmodellen gehört die konkrete Ausgestaltung mit der Steuerberatung abgestimmt.
Häufige Fragen und unsere persönlichen Erfahrungen zu Trinkgeld
Wie buche ich Trinkgeld über Karte richtig?
Als durchlaufenden Posten, nicht als Umsatz. Der Betrag geht auf dem Konto ein, gehört aber wirtschaftlich der bedienenden Person — er wird deshalb getrennt erfasst und weitergeleitet. Wer ihn als Erlös bucht, erhöht seinen Umsatz um Geld, das ihm nicht zusteht, und verzerrt zugleich alle umsatzbezogenen Kennzahlen.
Was ist der Unterschied zum Bedienungsgeld?
Trinkgeld ist freiwillig, Bedienungsgeld ist Teil des Preises. Sobald ein fester Zuschlag auf der Rechnung steht — etwa bei Gruppen —, ist das Entgelt für eine Leistung, unterliegt der Umsatzsteuer und gehört zum Arbeitslohn, wenn es weitergegeben wird. Diese Grenze wird in der Praxis häufig verwischt.
Wie regele ich die Verteilung im Team gerecht?
Über eine schriftliche, allen bekannte Regel — nach Stunden, nach Bereichen, mit oder ohne Küche. Wichtiger als der gewählte Schlüssel ist, dass er feststeht und nachvollziehbar dokumentiert wird. Ungeschriebene Regeln sind die häufigste Ursache für Unfrieden im Service.
Verwandte Begriffe
Wenn die Zahl nicht stimmt
Wenn Trinkgeld als Umsatz gebucht wird, stimmen auch Ihre Kennzahlen nicht. Das ist der erste Punkt, den wir bei einer Zahlenprüfung ansehen.

